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Wenn ein Jugendtraum wahr wird
Issum. Schon lange hegte Dr. Florian Neunstöcklin den Wunsch, mal Orgel spielen zu können. Das macht man nicht nebenher und eine Orgel steht selten in einem Wohnzimmer. „Ich informierte mich auf der Kirchenkreisseite, dass die Ausbildung zum C-Musiker seitens der Kirche angeboten wird, daraufhin habe ich mich gemeldet“, berichtet er. Und ist im Kreiskantorat sofort auf offene Ohren gestoßen. Vom Niederrhein ist Neunstöcklin der einzige von insgesamt 8 Teilnehmenden an dieser Ausbildung, die im Oktober 2023 begann und 2,5 Jahre dauert.
„Mir gefällt die Vielseitigkeit der Orgel, ich kann ein ganzes Orchester imitieren“, begeistert sich der Orgelstudent. Doch genau darin liegt die Herausforderung für jeden, der sich auf die Orgelbank setzt. Das parallele Zusammenspiel von linker und rechter Hand, der beiden Füße und die Bedienung der Register während eines Vorspiels, das fordert. „Ich musste eine Eignungsprüfung bei der Landeskirche ablegen, um die Ausbildung beginnen zu können“, so der 36-Jährige. Bereits seit Kindesbeinen an hat er verschiedene Instrumente musiziert, Blockflöte, Klarinette, Klavier.
„Die Herausforderung ist zurzeit das obligate Spiel“, erzählt Neunstöcklin. Das beinhalte das gleichzeitige Lesen und Spielen von Violin- und Bassschlüssel in der linken Hand, die Füße bedienen die Pedale unten, die Melodiestimme wird in einem anderen Register von der rechten Hand gespielt. „Jede Woche habe ich 60 Minuten Orgelunterricht und 30 Minuten Klavierunterricht“, sagt er. Mit Übezeiten käme er auf rund 8 Stunden pro Woche. Im Hauptberuf ist Neunstöcklin Gymnasiallehrer für Englisch und Französisch. 70 Euro kostet ihn die Ausbildung im Monat. Alle anderen Kosten, wie etwa für Seminarwochenenden, tragen der Kirchenkreis und die Landeskirche.
Kreiskantor Mathias Staut begleitet Neunstöcklin bei der Ausbildung als Lehrer und Mentor. „Mir gefällt, dass er neugierig ist und eigene Ideen hat“, so Staut. Der Schwerpunkt der Ausbildung liegt auf klassischer Literatur, liturgischen Gesängen, die in jeder Gemeinde anders sein können und dem Neuen Geistlichen Liedgut (NGL). Tonsatz, Hymnologie, Gehörbildung und Improvisation gehören auch zur C-Ausbildung. Nur ein Kirchenmusikstudium bzw. die A- oder B-Ausbildung für hauptberufliche Kirchenmusiker:innen sind noch umfangreicher.
Vor vier Wochen die Zwischenprüfung nahm Neustöcklin mit Leichtigkeit. Bei der 2-tägigen Abschlussprüfung wird der Puls ein anderer sein, meint er: „Dafür muss ich 12 Stücke aus unterschiedlichen Epochen und mit unterschiedlichen Anforderungen vorbereitet haben und einreichen.“ Bereits jetzt spielt Neustöcklin regelmäßig in Sonsbecker Gottesdiensten Orgel – die Gemeinde freut es.
Info C-Prüfung Kirchenmusik
Die C-Kirchenmusikprüfung ist ein Abschluss, der ohne ein intensives Hochschulstudium erlangt werden kann und zum Ausüben einer Tätigkeit als Kirchenmusiker*in in der evangelischen Kirche berechtigt. Die Mehrzahl der orgelspielenden Menschen musiziert im Nebenamt, sie haben in der Regel keine Chöre zu betreuen.
Die Ausbildung erfolgt in der Regel in regionalen C-Kursen, in den die praktischen Fächer Orgelspiel, Chorleitung, Singen und Klavierspiel unterrichtet werden. Auch die Fächer Gehörbildung und Tonsatz sind Bestandteil der Ausbildung.
Über den regionalen Gruppen- und Einzelunterricht hinaus finden von der Landeskirche zentral organisierte C-Seminare und C-Intensivkurse statt, die ebenfalls Bestandteile der Ausbildung sind. In den mehrtägigen C-Seminaren werden die wissenschaftlichen Fächer (Liturgik und Theologische Grundlagen, Hymnologie, Kirchenmusikgeschichte und Orgelkunde) unterrichtet. In den C-Intensivkursen werden hingegen die praktischen Fächer des regionalen Kurses vertieft.