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Friedhofgeflüster: Trauer und Einsamkeit teilen
Goch. Zufrieden waren die Organisatorinnen des „Friedhofgeflüsters“ nach der Premiere am Freitag. Jeden Freitag im August wollen immer mindestens zwei von drei Frauen, Connie Rufeger, Dagmar Marks und Sabina Spelt zwischen 15 und 17 Uhr für Gespräche bereitstehen. Direkt gegenüber dem Friedhofsbüro haben sie die Bank mit Decken versehen, eine Fahne zeigt: hier lässt sich evangelische Kirche finden. Wer vorbeigeht, geht vorbei, wer Interesse zeigt, wird eingeladen.
Es kommen schnell Menschen, lassen sich gerne einen Kaffee oder ein Wasser einschenken. Sie kommen, weil sie von der Aktion in den Medien gehört haben oder sie bleiben spontan stehen. Schnell bilden sich kleine Gesprächsrunden von 2-3 Menschen. Rufeger, Marks und Spelt absolvieren seit Anfang des Jahres den Kursus „ehrenamtliche Seelsorge“. Das ‚Friedhofsgeflüster‘ ist eine gute Gelegenheit, Erlerntes auszuprobieren.
„Es gibt erschreckend viele einsame Menschen“, sagt Dagmar Marks. Für sie bietet das Gespräch ebenso Austausch, wie für Menschen, die ihre Trauer über einen Angehörigen teilen wollen. Die Gespräche können ernst und sensibel sein, müssen es aber nicht. „Wir sind keine Therapeutinnen“, sagen Conny Rufeger und Dagmar Marks. Zuhören, mitfühlen, einfach da sein, das ist meist mehr, als Menschen sonst beim Friedhofsgang erfahren. Vielleicht braucht es gerade diese offene Zuhör-Bereitschaft. Denn oft wollen belastete Menschen keinem anderen zur Last fallen, langweilen oder gar irritieren. Ohne zu wissen, ob das denn tatsächlich der Fall wäre, sprechen Menschen immer weniger miteinander.
Eine rüstige Dame hat Eiserne Hochzeit und kommt mit dem Shopper alleine zum Friedhof. Eine andere Frau trauert um ihren zu früh verstorbenen Sohn. Auch nach vielen Jahren wird der Schmerz nicht geringer, die Gedanken kreisen, was wäre wenn? Sie schätzt die Ruhe des Orts. An Feiertagen wie Totensonntag meidet sie den Friedhof, wenn viele kommen. „An allen anderen Tagen bin ich oft alleine.“ Eine andere beklagt, dass ihre Tochter zwar an einem Tag in der Woche nach dem Rechten schaut, sie aber sonst allein den Tag bestreitet.
„Wir werden nach dem letzten August-Termin eine erste Auswertung machen und dann überlegen, ob und wie wir das ‚Friedhofgeflüster‘ fortführen“, erzählt Marks. Vielleicht trägt es ja dazu bei, dass Menschen auch ohne „Format“ und auch abseits eines Friedhofs einfach mal das Gespräch suchen.