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Die Seele baumeln lassen
Sonntage – Feiertage – Brückentage: kleine Inseln im normalen Alltagswahnsinn. Zeit, auszuruhen, etwas für sich zu tun oder mit Familie und Freunden etwas zu unternehmen; oftmals eine Chance, bei geschickter Planung mit möglichst wenig Urlaubstagen eine ausgedehnte Erholungszeit zu erhalten.
Besonders an diesen Feiertagen laden christliche Gemeinden oftmals zu open-air-Gottesdiensten ein, manchmal an außergewöhnlichen Orten. Das sind kreative und fröhliche Feste des Glaubens an einem besonderen Ort, erfrischend anders, und alles andere als verstaubt traditionell. Sie ziehen in besonderem Maße Menschen an, die zur Ruhe kommen wollen, sich auf sich selbst und das Wichtige im Leben besinnen möchten. Hier kann man mit anderen über Fragen des Lebens und des Glaubens ins Gespräch kommen, und sich vielleicht auch vergewissern, wie christlicher Glaube im Leben Halt und Orientierung und Gemeinschaft schenken kann.
Nicht alle Menschen suchen all das im Glauben, im christlichen Gottesdienst. Aber wir alle brauchen das in regelmäßigen Abständen: solche Oasen, die den Alltag unterbrechen. Dann lasse ich das Smartphone mal bewusst zu Hause und bin offline: fietsen in die Natur, endlich mal wieder ein paar Kapitel lesen, gemeinsamer Sport mit Freunden – und anschließend entspannt beim gemeinsamen Essen sitzen.
Die „Seele baumeln lassen“ ist ein schöner Ausdruck für all das. Das schönste Nichtstun, Pause vom (Berufs-)Alltag, geschenkte Zeit – einfach „Sein“. Heraustreten aus dem Alltag – einen Ortswechsel vornehmen – Ruhe finden. Diesen Dreischritt machen Christen immer dann, wenn sie sich auf den Weg zu einem Gottesdienst machen. So oder so: Tief in allen Menschen schlummert eine tiefe Sehnsucht nach einem erfüllten Leben, abseits von Hetze und Lärm, abseits vom Gelebt werden – auch abseits von Sorgen und Nöten.
Und es lohnt sich, diese Sehnsucht nach einem erfüllten Leben von Zeit zu Zeit aufzuwecken und ihr im Alltagswahnsinn Raum zu geben. Wie wäre das denn mal an einem Sonntag, einem Feiertag oder einem Brückentag? Wie wäre das denn, dazu auch mal einen Gottesdienst zu besuchen und meine Seele einmal dort baumeln zu lassen.
Pfarrerin Dorothee Neubert,
Evangelische Kirchengemeinde Goch