Möglichkeiten digitaler Medien werden genutzt

(ekir) Köln. Präses Manfred Rekowski würdigte die Projekte und dankte den Verantwortlichen: „Sie nutzen die Chancen der Digitalisierung vor Ort, für Ihre Gemeinde, für Ihren Kirchenkreis, sind über Internet und soziale Medien nahe bei den Menschen und zeigen so: Als Kirche sind wir in der digitalen Gesellschaft mit dabei, wollen sie mitgestalten, nutzen digitale Medien für unsere Arbeit."

Die eingereichten Projekte belegten, welche vielfältigen Möglichkeiten digitaler Medien in Gemeinden, Kirchenkreisen und Einrichtungen bereits genutzt werden, unterstrich Präses Rekowski in seiner Ansprache: Sowohl der virtuelle 360-Grad-Rundgang durch das Kirchengebäude als auch der Live-Stream des Gottesdienstes fänden sich unter den Einreichungen. Aber auch Gemeinde-Apps, YouTube- und Instagram-Channels gehörten ebenso dazu wie über Video-Konferenztechnik gefeierte Gottesdienste oder Webseiten mit guter Informationsarchitektur oder mit Zusatzangeboten wie einem Spendenportal. Ebenso waren Multiblogs, neue Hardware-Lösungen, Bildungsangebote für Kinder und Jugendliche oder Projekte, die „online" und „offline" miteinander verbinden, unter den Einreichungen. Gerade für digitale Angebote der Gemeinden gelte, dass sie neue Zielgruppen erschließen. Dabei müssten sich Gemeinden aber bewusst auf eine Marktsituation einlassen, so der rheinische Präses: „Der digitale Marktplatz ist voller Angebote, wenn unsere kirchlichen Angebote wahrgenommen werden sollen, müssen diese nicht nur gut, sondern auch einladend sein."

Zum Medienpreis konnten Gemeinden, Kirchenkreise, kirchliche Einrichtungen, Arbeitskreise und Initiativen aus dem Raum der rheinischen Kirche Projekte und Ideen einreichen, bei denen digitale Medien eine zentrale Rolle spielen und die kirchliches Leben bereichern. Die Wilhelm-Schrader-Stiftung, deren Zweck die Förderung der Verbreitung protestantischen Gedankenguts und dessen Darstellung in der Öffentlichkeit ist, förderte den Medienpreis durch die Auslobung der Preisgelder. Die Durchführung der Ausschreibung oblag dem Studienbereich Neue Medien der Evangelischen Akademie im Rheinland und dem Arbeitsbereich Kommunikation im Landeskirchenamt.

Details zum Medienpreis für digitale Projekte
Jury-Mitglieder:
- Jil-Madelaine Blume, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Landesjugendring NRW
- Marcel Drews, Geschäftsführer aserto GmbH & Co. KG
- Dennis Horn, Digitalexperte bei der ARD
- Maike Roeber, Pfarrerin Evangelischer Kirchenkreis Trier, Öffentlichkeitsreferat
- Harald Schroeter-Wittke, Professor, Institut für Evangelische Theologie Universität Paderborn
- Nora Sonnabend, Social-Media-Redakteurin Handelsblatt
Mehr zu den Jurymitgliedern: http://www.hier-stehe-ich.de/Jury-Medienpreis-fuer-digitale-Projekte.php

1. Preis: Instagram-Account @raderbergundthal
https://www.instagram.com/raderbergundthal/
Das auf Instagram im Januar 2018 gestartete Projekt zeichnet sich unter den Social-Media-Einreichungen durch besondere Stimmigkeit aus. Die Jury hob hervor, dass @raderbergundthal als originäres Social-Media-Projekt genau für den gewählten Social-Media-Kanal, d. h. für Instagram, konzipiert und gedacht ist. Die Bildsprache mit den gut gestalteten Porträt-Aufnahmen hat eine hohe Passgenauigkeit für diesen Kanal.
Dabei richtet sich das Projekt an eine geografisch kleine Zielgruppe. @raderbergundthal möchte einen Beitrag dazu leisten, die Evangelische Philippus-Gemeinde Köln-Raderthal im Stadtteil sichtbar zu machen. Im eingereichten Exposé wird die Situation so beschrieben: „Die Philippus-Gemeinde ist eingefasst von größeren Kirchengemeinden in unmittelbarer Nachbarschaft wie Zollstock, Marienburg und der Südstadt. Je nachdem, wo man wohnt, ist somit die Situation gegeben, dass die nächstgelegene Kirche nicht die Philippus-Kirche ist. [...] Neue Gemeindemitglieder, die sogenannten Neuzugezogenen, sollen den Weg in die Philippus-Gemeinde finden." Unter den Neuzugezogenen sind überproportional viele junge Menschen und Familien. Diese Zielgruppe ist über Internet und soziale Medien gut erreichbar, so die Initiatoren. Im Blick auf diese Zielgruppe hat die Gemeinde Instagram als Kanal gewählt und sich dabei an dem Instagram-Account „Humans of NY" (@humansofny) orientiert. Die Initiatoren charakterisieren diesen Kanal wie folgt: @humansofny wurde 2010 von dem Fotografen Brandon Stanton gestartet, hat mittlerweile über sieben Millionen Follower auf Instagram, mit mehr als 4000 Beiträgen über Menschen, die in New York leben. Dabei geht es um Momentaufnahmen, nicht um ausführliche Darstellung einer Person.
Die Geschichten, die @raderbergundthal aus dem Kölner Stadtteil erzählt, sind keine Insider-Geschichten, sondern Geschichten von Personen aus dem Wohngebiet, die Lust machen, mehr über sie zu erfahren. Kirchenmitgliedschaft ist weder Voraussetzung für ein Porträt noch für ein Interesse an dem Kanal. @raderbergundthal möchte mit seinen kleinen Porträts Menschen im Stadtteil erreichen, miteinander und mit der Gemeinde ins Gespräch bringen. Die Jury hält dieses Konzept für sehr überzeugend und wünscht dem im Januar gestarteten Projekt viel Erfolg.

2. Preis: Partnerschaft 2.0 – Virtuelle Begegnung zwischen Jugendlichen aus dem Kirchenkreis Goma/DRC und dem Kirchenkreis Saar-West
Die Kirchen bewegt aus verschiedenen Gründen heute zunehmend die Frage, wie man Gottesdienste über den eigenen Kirchenraum hinaus öffnen kann. Das Projekt „Partnerschaft 2.0" zeigt dazu Best Practice, so die Jury. In den Jahren 2016 und 2017 haben Jugendliche aus beiden Kirchenkreisen mittels Videokonferenz per Skype auf unterschiedlichen Kontinenten zusammen einen Gottesdienst in deutscher und französischer Sprache gefeiert. Für 2018 ist ebenfalls ein Gottesdienst in Vorbereitung. Der virtuelle Raum wird hier zum gemeinsamen Gottesdienstraum. Die Einreicher des Wettbewerbsbeitrags beschreiben dies so:
„Der Gottesdienst wird gemeinsam gefeiert: Gestaltungselemente wie Eröffnung in Gomaville: Es singen verschiedene Chöre, sie sind bei uns auf der Leinwand zu sehen und zu hören. Eröffnung bei uns: Die Band singt das Eröffnungslied, es wird nach Goma übertragen. Das Eingangsgebet wird in Rodenhof übernommen, der Psalm wurde im Wechsel gebetet. So als ob man nebeneinanderstünde vor der Gottesdienstgemeinde, die andere ist auf der Leinwand zu sehen. So entstand ein gemeinsames Gottesdienstgefühl."

Das Projekt beschränkt sich aber nicht nur auf den Punkt des gemeinsam gefeierten Gottesdienstes, ausgerichtet von je einer Kirchengemeinde in den Kirchenkreisen Goma und Saar-West. Die interkulturelle Begegnung zwischen den Jugendlichen in Goma und im Kirchenkreis Saar-West gewinnt dadurch an Tiefe und Nachhaltigkeit, dass die Gottesdienste gemeinsam geplant werden und sich die Menschen bei den gegenseitigen Besuchen in ihrer Partnergemeinde auch persönlich begegnen können, denn zwischen dem Kirchenkreis Saar-West und dem Kirchenkreis Goma besteht seit 30 Jahren eine Partnerschaft. „Die gastgebenden Gemeinden lernen die Partnerschaftsarbeit live kennen und erleben deren Lebendigkeit", ist in der Projektvorstellung zu lesen.
Auch bei den Gottesdiensten gehört jeweils noch ein kurzer persönlicher Austausch im Anschluss an die Gottesdienstfeier zum Ablauf. Für die Jury war die durch Vorbereitung und Austausch gewonnene Nachhaltigkeit ein weiterer wesentlicher Aspekt des Projektes. Die Jury würdigte „Begegnung 2.0" als ein Projekt, das den Horizont in die Welt öffnet und das im wörtlichen Sinne global und grenzübergreifend gedacht ist.

3. Preis: Webseite der Evangelischen Kirchengemeinde Hilden
https://www.evangelisches-hilden.de
www.evangelisches-hilden.de ist eine Webseite für eine rheinische Gemeinde mittlerer Größe. Sie wurde von der Jury als eine sehr gut gemachte Webseite prämiert, die sowohl in technischer als auch inhaltlicher Hinsicht überzeugt. Die Seite ist inhaltlich und optisch klar strukturiert, responsiv und zu den Social-Media-Kanälen der Kirchengemeinde verlinkt. Für die Pflege ist ein Team aus sechs Ehrenamtlichen zuständig, die Texte und Bilder einpflegen und bis auf größere Software-Updates alles selbst erledigen können. Hier hat die Gemeinde bereits zukünftige Entwicklungen berücksichtigt: „Diese Zusammensetzung beruht auch auf der Annahme, dass Gemeinden bald weniger Hauptamtliche zur Verfügung haben", heißt es in den Erläuterungen zur Einreichung.
Zielgruppe und Ziel sind klar benannt. Die Webseite richtet sich sowohl nach innen, an die 15.000 aktiven und passiven Gemeindeglieder, als auch nach außen, an interessierte Hildener Bürgerinnen und Bürger. Auch diese beidseitige Ausrichtung hat die Jury positiv hervorgehoben. Die Webseite bietet auch denjenigen schnell Orientierung und Information, die sie nur gelegentlich oder zufällig aufrufen. Kontaktinformationen und Terminkalender sind mit einem Klick erreichbar, die unterschiedlichen Kategorien sind auf den ersten Blick erkennbar. Damit wird die Webseite ihrer Zielstellung gerecht, eine lebendige, immer aktuelle Darstellung des Gemeindelebens mit all seinen Angeboten zu etablieren. Mit der Kommentarfunktion, die aktuell bereits bei einigen Artikeln freigeschaltet ist, soll sich die Webseite langfristig zu einer Kommunikationsplattform zum Austausch über den christlichen Glauben entwickeln, so die Wettbewerbs-Einreicher.
Die Jury wählte Evangelisch-in-Hilden.de auch aus, um deutlich zu machen, dass eine gut gemachte, für den Abruf auf mobilen Endgeräten optimierte Website weiterhin eine wichtige Basis für kirchliche Online-Kommunikation ist.

Sonderpreis Inklusion: ALLERHAND Alltagsgeschichten
http://allerhand.kirchekoeln.de
Auf Initiative der Jury wurde zusätzlich dieser Sonderpreis Inklusion vergeben, um deutlich zu machen, dass digitale Projekte neue Möglichkeiten für Inklusion bieten.
Das Videoprojekt „Allerhand Alltagsgeschichten" des Evangelischen Kirchenverbandes Köln ist ein Angebot für gehörlose Menschen. Es versteht sich „als Beitrag zur Inklusion und Verkündigung im Bereich der Gehörlosengemeinden", so das Exposé. Die Filme werden auf den sozialen Kanälen Facebook und YouTube verbreitet und in einem 14-tägigen Rhythmus veröffentlicht. Die Länge der Videos liegt zwischen zwei und vier Minuten. Das Projekt ist derzeit noch in einer Pilotphase.
In den Videos sind Dagmar und Dieter Schwirschke zu sehen. Das Pfarrehepaar betreut die Evangelische Gehörlosengemeinde Köln-Bonn-Leverkusen. Die beiden Pfarrer erzählen kleine Geschichten in Gebärdensprache. Dabei geht es um Themen des Kirchenjahres – von Erntedank über Reformation, Nikolaustag, Weihnachten bis zu Neujahrstraditionen – ebenso wie um theologisch-spirituelle Themen wie z. B. die Einzigartigkeit jedes Menschen.
Die Videos werden in Gebärdensprache gedreht, einer eigenen Sprache mit eigenen Vokabeln und einer eigenen Grammatik, erst danach werden sie vertont und so auch für Menschen ohne Gebärdensprache-Kenntnisse verständlich. Die Jury würdigte, dass dieses Angebot in Gebärdensprache die Chancen des digitalen Mediums „Video" für Gehörlose in besonderer Weise wahrnimmt und damit einen Beitrag zur Inklusion leistet.

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